Liebe Hörer:innen,
liebe Fans & Freunde unserer Musik,
🎶wir beide, Christian & Omid, haben uns in den letzten Wochen intensiv Gedanken über die aktuellen Entwicklungen auf dem Musik-Streaming-Markt gemacht.
Insbesondere die Strategien von Spotify hinsichtlich Marketing, der Umgang mit Künstler:innen sowie der Umgang mit KI-generierter Musik haben uns zum Nachdenken angeregt.
Wir haben diskutiert, uns mit dem Thema auseinandergesetzt, Ideen für Alternativen entwickelt und haben letztendlich den Entschluss gefasst, nicht länger mit Spotify als Streaming-Dienst zusammenzuarbeiten.
Dieser Schritt fällt uns nicht leicht, denn Spotify ist weltweit – auch in Deutschland – mit Abstand Marktführer im Streaming-Bereich. Viele Menschen hören Musik über Spotify.
Wenn man also als Künstler:in / Band gehört werden möchte, macht es (offenbar zunächst) Sinn, auf Spotify präsent zu sein und den Streaming-Anbieter als Erstes für die Verbreitung seiner Musik zu wählen. Doch der Abgang von Spotify war andererseits für uns auch ein unvermeidlicher, wichtiger und notwendiger Schritt.
❌ Warum wir uns von Spotify verabschieden
1️⃣ – Spotify kennzeichnet KI-generierte Musik nicht bzw. lässt ohne Eingreifen zu, dass Musik, die offensichtlich nicht zu einem großen Anteil von menschlicher Intelligenz geschaffen wurde, nicht von KI-Musik unterschieden werden kann. Die KI-Band The Velvet Sundown bringt es mittlerweile auf über 1,2 Millionen HörerInnen auf Spotify. Vermutlich werden die Songs von einem KI-Musikprogramm geschrieben und die HörerInnen-Zahlen von KI-Bots generiert. Da hinter dieser Band keine realen Personen stecken, sondern ausschließlich KI-Tools, ist fraglich, wer davon profitieren soll außer Spotify. Andere Streaming-Anbieter kennzeichnen KI-generierte Musik, wodurch für die Hörer*Innen gleich erkenntlich wird, worum es sich dreht.
🤖 Wir finden, Menschen haben ein Recht darauf, zu erfahren, ob Musik “handgemacht” ist oder von künstlicher Intelligenz stammt. Für viele – auch für uns – macht es einen Unterschied.
2️⃣ – Spotify schüttet weiterhin zu wenig Geld an Künstler:innen aus – andere Plattformen sind hier weitaus fairer. Seit vielen Jahren zahlt Spotify konstant 0,003 € pro Klick bzw. Stream, womit Sie unter den Streaming-Anbietern ganz unten rangieren. Seit 2024 greift auch noch eine neue Regelung, nach der nur noch Künstler*innen bezahlt werden, deren Songs jeweils mindestens 1.000 Streams pro Jahr erreichen. Wer darunter bleibt, geht leer aus. So profitieren letztlich nur die großen, schon bekannten Künstler*innen und für Newcomer und kleine, regionale Acts bleibt wenig bis gar nichts übrig.
3️⃣- Spotify investiert (mit unserem und deinem Geld!) Initiativen und Projekte, die wir nicht für unterstützenswert halten: Daniel Ek, der Gründer von Spotify hat bereits hunderte Millionen Euro in die Rüstungsindustrie investiert. Er ist der Chairman von Helsing GmbH, einer Firma mit Sitz in München, die KI-gesteuerte Waffensysteme entwickelt.
⚖️ Spotify unterstützt offen die politischen Bestrebungen der Trump-Regierung. Der Startschuss war eine Spende von 150.000 Euro für die Feier zur Amtseinführung Trumps im Januar 2025. Im Oktober 2025 wurde Spotify-Nutzern zwischen der Musik ein Werbespot eingespielt, der die Rekrutierung von Mitarbeiter:innen für das ICE (United States Immigration and Customs Enforcement) zum Ziel hatte. Darin waren Szenen zu sehen, in denen MigrantInnen gewaltsam festgehalten, von ihren Familien getrennt oder in entwürdigender Art zur Schau gestellt wurden.
🚫 Wir wollen nicht länger mit einem solchen Streaming-Dienst kooperieren. Vor allem wollen wir unsere Musik, in die wir so viel Zeit, Liebe und Arbeit investiert haben, die uns darüber hinaus persönlich so viel bedeutet, auf Spotify nicht länger zur Verfügung zu stellen.
💡 Wir glauben daran, dass es bessere Wege gibt, wie wir unsere Musik in einem fairen, angemessenen und (menschen-)würdigen Rahmen zu unseren Hörer:innen bringen.
🚶♂️Kommst Du mit?
Sich als Künstler:in gegen Spotify zu entscheiden, gleicht erst mal einem Rückzug auf einer einsamen Hütte auf 3.000m Höhe, die nur auf einem schmalen Pfad zu erreichen ist. Zu Beginn des Pfades steht geschrieben: „Festes Schuhwerk und Trittsicherheit erforderlich!“.
So fühlt sich das zumindest im Moment an. Hätten wir eine Managerin, würde sie sagen:
„Das geht nach hinten los. Wenn ihr das macht, hört euch niemand!“
Aber vielleicht wollen wir genau das.
Nein, nicht, dass uns niemand hört.
Wir wollen Hörer:innen erreichen, die sich ( mit uns ) auf den Weg machen.
🧠Hörer:innen, die sich mit der Thematik auseinandersetzen (zumindest für ein paar Minuten, bspw. nach dem Lesen dieses Textes) und überlegen: „Passt Spotify zu mir? Passt Spotify, mit seiner Unternehmenspolitik zu meinem Welt- und Menschenbild?“.
💪 Wir haben die Wahl
Wie oft hörst Du Sätze wie: “So isch’s halt”, „Kau ma nix mochn!”, “Bleibt nix anderes übrig” oder „Pfff… das ändert nichts.“Ohnmacht ist dann das Gefühl, das sich einstellt.
Aber ganz ehrlich: Wir sind nicht ohnmächtig. Wir haben eine Wahl. Wir können Entscheidungen treffen. Wir können wählen. Und das trifft auch auf die Wahl eines Streaming-Anbieters zu.
🌄Wir wollen Dich zur Wanderung auf dem Pfad zur ( scheinbar ) einsamen Hütte auf 3.000m einladen. Den Hinweis „Festes Schuhwerk und Trittsicherheit erforderlich!“ passieren ist gar nicht soooo schwer, denn: Vorhandene Playlisten lassen sich zu anderen Streaming-Diensten übertragen.
Du bist also gesichert.
Achso ja ( du hast es eben gelesen ): Es gibt andere Musik-Streamingdienste, die vieles besser machen als Spotify (!)
Es gibt Alternativen, die Musik in weitaus hochwertigerer Audioqualität und bessere Bedingungen für Künstler:innen anbieten: Apple Music, Tidal, Deezer, Qobuz.
Es gibt sogar eine Art digitalen Plattenladen: Bandcamp.
🏞️Wir wollen Dich einladen, zu uns auf die Hütte zukommen,
sie anzuschauen und die Aussicht von oben zu genießen.
Kommst Du mit?
Christian Schüll & Omid Gollmer